Ableton Live + Vocals + Drums + Elektroschrott + DMX = Im Modus Live

Achtung: Nerdcontent. Im Modus sind zwei Computer, Keyboards, Schlagzeug, Gitarre, Gesang und Licht: Eine  Mischung aus Digital, Analog und Elektroschrott also. Wir haben eine ganze Weile an einem Setup, das im Proberaum, auf kleinen und auf großen Bühnen funktioniert, getüftelt.

Als wir Infos zu einem intelligenten Einsatz von Ableton im Band-Kontext gesucht haben, haben wir relativ wenig Vorlagen im großen Internet gefunden. Gerade dieser Part könnte also vielleicht anderen Künstlern ein paar interessante Hinweise geben. Mit Klick werden die Fotos größer. Unser Ableton Live 10-Projekt mit drei Beispielsongs kann man sich hier runterladen (ALP, 140MB). Daraus sollte jeder Ableton Benutzer seine Schlüsse ziehen können. (Natürlich müsst Ihr das auf Eure individuelle Soundkarte und Controller anpassen. Wir haben auch ein paar externe Plugins verwendet, die wird nicht jeder auf seinem System haben, sie können aber leicht ersetzt werden.) 

Ein Großteil der Beats kommt aus Ableton Live. Für das Live-Setup werden alle Songs, egal wie komplex in acht Spuren aufbereitet, bis auf die Kick Drum als Audio Sample. KickDrum, Drums, Percussion. Bass. Pad1, Pad2, Lead1 und Lead2.

Die acht Spuren werden logisch vorgruppiert in Beats (1-3), Bass (4), Music (5-8) und Effects (alles was über interne Effekte zurückkommt). 

Alle Einzelspuren werden zusätzlich noch zu einem Send-Kanal geschickt. (F Sum). Für eine Live-Show müssen alle Songs in ein Projekt. Ableton Live erlaubt nicht, dass unterschiedliche Projekte geöffnet sind, das Laden neuer Songs während eines Konzerts dauert zu lange. Die Songs haben alle acht Szenen, durch die Benennung sind BPM und Taktart festgelegt.

Die 8×8 Einteilung der Songs ist hilfreich, da wir so immer einen kompletten Song auf dem Controller (Ableton Push, prinzipiell haben aber alle diese Aufteilung) haben. Die Szenen sind teilweise einzelne Parts der Songs, teilweise nur eine Halde, von der die Samples einzeln abgeschossen werden. Über die Drehregler des Pushs wird Send A (Reverb) pro Spur angepasst. Um nicht in den Tiefen des Controllers hin und her zu schalten, haben wir zwei kleine Korg-Nano-Kontrols (Unterschiedliche CC Channel) über ein manuelles MidiMapping dazu geschaltet. Der weiße Korg regelt auf den Fadern das Volume der Spuren 1 – 8. Das Volume ist per Zuweisung auf -6db limitiert, die Mitteleinstellung ist bei -12db damit wir nicht im Überschwang (alle Regler hoch!) ständig digital übersteuerte Signale in die Welt schicken.

(S) und (R) aktiviert unterschiedliche BeatRepeater pro Spur, (M) mutet die Spur – jeweils solange man drückt. Auf den Drehregeln ist ein Send-Kanal (Delay 1) für die Spur. (Ausnahme ist Kanal 1, die den Cutoff für die Basedrum regelt). Der schwarze Nano Kontrol regelt auf den Drehreglern einen weiteren Send Kanal pro Spur (Delay 2), die Fader sind für Vocal FX und zum Dimmen vom Licht. Einzelne Knöpfe sind zum Aktivieren bestimmter DMXiS Patterns. 

Die Belegung ist individuell im Midi-Mapping Mode von Ableton eingestellt. Da sammelt sich im Laufe der Zeit so einiges an. Zwischendurch haben wir auch mit TouchOSC und anderen iPad Controllern experimentiert, die USB-verkabelten Varianten mit echten Drehreglern sind aber immer noch am live-tauglichsten. (und fühlen sich am besten an)

Aus Ableton kommt auch unser Lichtgeblinke. Wir verwenden den Enttex DMXIS mit Plugin. Unterschiedliche Midi-Samples Loops schicken DMX Signale an einen 4er Switchpak und an eine 8*4 DMX Steuereinheit, die Signale an selbstgebaute LED Schilder schickt. (Hat den Vorteil, dass man die vorher mit einem Keyboard einspielen kann. Theoretisch kann man auch den Keyboarder da einstöpseln, sodass Licht live „gespielt“ wird.)

Neben dem „Tisch“ steht ein Rack. Wir benutzen eine MOTU 828 MKII (FireWire, steinalt, aber robust), im Rack wohnen außerdem ein Headphone Amp, ein 32 Band EQ (Stereo), zwei simple Patchbays und (für ein paar Songs mit E-Gitarre) ein uralter Line6 Pod.

Oben ist ein Mackie 1604 VLZ eingebaut und oben drauf steht das MacBook (welches wir optimalerweise bei einem Konzert nicht anschauen müssen) Im 1604 Pult stecken standardmäßig die beiden Vocals auf Kanal 1 und 2. Diese werden über den Direct Out der Kanäle  in zwei Input-Kanäle der MOTU (und in die Patchbay) geschickt. Im Ableton ist der Output auf „Sends Only“ gestellt. So können einfache Vocal-Effekte (Reverb und Delay) direkt (und vor allem im .richtigen Tempo) in den FX Kanal des Live-Projekts zugegeben werden.

Warum jetzt zwei Mischpulte und das komplizierte Routing im Ableton? Die beiden Extreme sind „wir mischen alles selbst“ (Proberaum, kleine Gigs) und „wir geben möglichst viel Verantwortung an den FOH ab“ (vertrauenswürdige Techniker, gutes Monitoring). In unserer Realität kann sich das Szenario vor Ort leicht abwandeln. („Wie, ihr braucht so viele Kanäle?“, „Das geht so nicht.“, „Ich hab keine XLR Kabel mehr.“, „Schlagzeug heißt Rockband“)

In voller Ausprägung brauchen wir  9-10 Spuren fürs Schlagzeug (BD, 3 Tom, 2 SD, Conga, HiHat, OH), der Keyboarder schickt aus einem Minimixer eine Stereosumme (Aus Stage-Piano und Korg R3), der zweite Computer (Windows, Machine) ebenfalls. Außerdem haben wir 4 Stereosummen aus dem Ableton (Beats, Bass, Music, FX), eine Monospur Gitarre (Pod) und 2 Vocals. Macht 25.

In einem gut ausgestatteten Klub ist die Schlagzeugabnahme kein Thema, DI Boxen für Keyboard und Computer 2 sind vorhanden. Die Vocals kommen durchgeschleift aus dem Mackie 1604, die Gitarre aus dem Pod und die 4*2 Spuren aus dem Ableton via Patchbay schön symmetrisch aus der MOTU, damit der FOH Beats, Bass, Effekte und alles fein auf den Raum abstimmen kann. In diesem Fall stecken wir 11 Klinke auf XLR Kabel vorne in die Patchbay und warten auf den Soundcheck.

Wenn wir einen Gig komplett selbst fahren, kommt das 1202er Mackie-Pult ins Spiel. Die 4 Stereospuren aus dem Ableton kommen auf die 4 Stereospuren und von dort auf zwei Spuren des großen Pults. Das große Pult sieht dann folgendermaßen aus. Vocals (1/2), vom Schlagzeug BD, T1-3 und Conga (auf 3-7. Ja, wir haben Schlagzeug-Mikros und genug XLR Kabel mit), Gitarre (8), Computer 2 (9/10), Keyboard (11/12), Mackie 1202 (13/14). Die Summe wird dann durch den 32-Band EQ geschickt (den wir im Proberaum brauchen um laut spielen zu können und uns trotzdem nicht zu töten)

In der Mischform können wir den Aufbau massiv beschleunigen, wenn wir alles außer das Schlagzeug durch das Mackie1604 schleusen und direkt von der Patchbay in die Stagebox schicken. Spart Zeit, lange Kabelwege und Nerven. Man kann das gut vorbereiten während das Schlagzeug verkabelt wird und die Techniker freuen sich, wenn man ihnen nummerierte Kabel reicht. Außerdem können wir in so einem Fall dann notfalls noch den Monitormix auf der Bühne selbst machen und die Bandkollegen können mich anschnauzen und nicht den Techniker, wenn sie nichts hören.

Durch die Patchbay muss man auch nur noch hinter irgendwelche Geräte krabbeln, wenn man XLR Kabel einstecken will und kann das Rack ansonsten geschlossen lassen. Weitere Vorteile: Kann vor dem Soundcheck schon verkabelt werden und ist vorbereitet um über die 10 IN Kanäle der MOTU aufzunehmen.

Alles in allem sind wir damit sehr zufrieden. Haben wir am Anfang noch alles immer einzeln auf einem Tisch aufgebaut, ist es mittlerweile „rock solid“ (im Rack allerdings auch scheiße schwer), mit ein paar Patch-Kabeln schnell zu installieren und lässt Raum und Muße sich beim Konzert nicht ständig mit Computerbildschirmen und Zeugs zu beschäftigen. (Die gewonnene Zeit investieren wir in unser Outfit!)

Weitere Experimente, die wir damit derzeit machen sind eingeschleifte analoge Effekte über die Send Kanäle (KaossPad und Nanoverb). Außerdem haben wir eine Keytar, die über Funk-USB an einen Softwareinstrument Channel im Ableton funkt und sich dann im SubChannel „Music“ eingruppiert.

Und mit einem Fußschalter, der via Midi simple Sachen wie „Start“, „Stop“, „nextScene“ steuert, haben wir auch das Problem Controller drücken beim Gitarre spielen gelöst. 

Schwachpunkt ist derzeit leider das Mackie 1604. Tolles Mischpult (vor allem durch die DirectOuts), hat aber altersbedingt die typische Mackie-Macke, dass immer mal wieder ein Kanal der Summe ausfällt. (Egal ob Master oder Sub). Ist halt alt und war auch recht billig. Vielleicht ersetzen wir das demnächst mal durch ein gebrauchtes 1604VLZ3. 

Geil, oder? Fragen gerne hier oder auf unseren anderen Kanälen. 

Benutztes Equipment
MacBookPro, PC
Ableton Live 10 (externe Plugins, Soundtoys und Arturia)
Ableton Push 1
NI Machine
Mackie 1604 VLZ
Mackie 1202
2*Korg Nano Kontrol2
Enttec DMXIS
DMX 512 Steuereinheit + Trafo + ZaRa Robotics Lichtanlage
DMX 4er Switchpack
Motu 828 MKII
Tascam MH-40 Headphone Amplifier
Line6 Pod
dBox 231s 32Band Stereo Equalizer
Mackie Mix 8
Korg R3
Roland FP-8
und ’nen Schlagzeug und 2 SM58 Mikrofone

Den ganzen Electro-Schrott anschauen kann man in diesem Live-Video

 

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